AE-Foto nr. 117915A2: First Ride on the River Wake AE-Foto Nr. 1861: River Surfing Wake AE-Foto D216: Eisbach-Welle  AE-Foto Nr. AE990808a  
Arthur Pauli's erster Ritt auf der Isarwelle 1972
Riversurfing "Wake"
Eisbach-Welle, Quirin Rohleder
künstliche Welle


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River Surfing

2: Surfen auf der "stehenden" Welle

Wie alles begann:

Im Juli 1971 war der Kraillinger Michael Nath vom Riversurfing in der Alz so begeistert, daß er sich gleich ein Riversurfboard aus der Werkstatt von Arthur Pauli kaufte. Gemeinsam mit Arthur wurde es im Isar-Flosskanal an der sogenannten "oberen Welle" ausprobiert. Natürlich wurde bei den Fahrten mit Seil auch versucht, ob die Welle genügend Schubkraft hatte, daß man sie auch ohne Seil abreiten konnte, doch waren an diesem Tag die Strömungsverhältnisse nicht optimal genug. Michael trainierte danach oft an dieser Stelle, und irgendwann im August oder September gelang ihm tatsächlich ein erster Ritt ohne Seil. Arthur Pauli war zu dieser Zeit auf Hawaii. Der Kontakt riss ab, und Arthur erfuhr erst 2012, über vierzig Jahre danach von diesem Erfolg.

Ein Jahr darauf, am 5. September 1972 nahmen die beiden Pauli-Brüder ihre Surfboards mit nach München, um den Spot von 1971 wieder zu surfen und den Floßkanal auf weitere reitbare Wellen abzusuchen. An diesem Tag war die obere Welle (das sogenannte Schaukelpferd) recht gut, und auch unter der Brücke an der Floßlände war eine stehendeWelle, auf der das Surfen ohne Seil möglich war. ("Stehende Welle" deshalb, weil sie relativ zum Ufer mehr oder weniger "stehen" blieb.)

Die Schubkraft von Wellen hinter Unterwasser-Hindernissen kannten die beiden Riversurfer schon von ihrem "local spot" her, von der Alz, die an einigen Flußmetern mit sehr starkem Gefälle dahinrauscht. Die Wellen dort aber veränderten laufend ihre Position und Höhe und waren meist so flach, daß man sie immer nur mithilfe der Zugkraft des Seils wieder "catchen" konnte. Die Welle hier an der Münchener Floßlände war jedoch eine breite Stauwelle, oftmals genug steil und hoch, sodaß man auch ohne Zugseil auf ihr reiten konnte: Die beiden ahnten nicht, daß gerade vor kurzemMichael Nath (quasi als McKilroy) auch schon da war und seine ersten erfolgreichen Ritte gestanden hatte. Zwei unabhängige Premieren im Riversurfen auf der "stehenden" Welle!

Arthurs erster Ritt auf dieser Welle an der Floßlände wurde mit einer Super8-Kamera aufgenommen:, wohl eine historische Filmszene, oben links ist ein Standbild aus dem Film.

(link zum Filmclip)

Wie beim Wellenreiten auf Brandungswellen gleitet auf diesem Bild Arthur Pauli auf seinem Surfboard über die Vorderseite der Welle abwärts. Durch entsprechende Belastung des Boards kann er das Tempo des Abwärtsgleitens so dosieren, daß es genau der Strömung des Kanals entspricht, und sich somit beliebig lange auf der Welle halten. Auch Schrägfahrten und "Turns" sind möglich.

Die Entwicklung

In den folgenden Jahren versuchten sich immer mehr Wassersportler in dieser neuen Sportart, Freunde der Pauli-Brüder, Zuschauer, die auf den Geschmack gekommen waren, ja sogar Surfer aus USA, Südafrika und Australien, die auf der Durchreise im nahen Campingplatz Thalkirchen wohnten und rein zufällig auf "the wave in the city" aufmerksam wurden. Ein Surfer aus den USA fand starke Ähnlichkeiten mit dem Reiten auf Heckwellen von Booten (Wake Surfing) , und bezeichnete es daher als "River Wake Surfing".

Ab 1975 wurden sogar Riversurf-Meisterschaften an der Thalkirchner Welle ausgetragen. Erster "Bayerischer Meister" wurde 1975 Arthur Pauli. Den ersten "International Award" gewann 1976 John Vardon aus Richmond/Australien.

In den 1980er und 90er Jahren ist die Schar der Münchner Riversurf-Anhänger stetig gewachsen, und ziemlich regelmäßig wurde an der Floßlände der internationale Riversurf-Contest "Munich Open" abgehalten.

Da allein das Reiten einer Flusswelle dem Wellenreiten in Brandungswellen, dem "real surfing" entspricht, verbindet man heute allgemein damit den Begriff des "Riversurfing", eingedeutscht auch "Flusssurfen". Das Riversurfen am Seil ist eine Alternative in schnellen Strömungen ohne ausreichend kräftige Wellen oder eine notwendige Technik zum "Catchen" von Flusswellen (Tow-in-Riversurfing).

River Surfing heute

München ist mittelerweile längst zum "Mekka" der Riversurfer geworden, und die Wellen an der Floßlände und am Eisbach gehören zu den Freizeit-Attraktionen der Stadt. Für viele Touristen gehört ein Blick auf "die Welle" sogar zum Besichtigungsprogramm.

Zu diesen beiden bekannten Wellen wurden noch weitere in der Isar entdeckt: Je nach Pegelstand kann man auch schon mal Riversurfer z.B. auf den langen Hochwasserwellen hinter der Wittelsbacher Brücke oder der Großhesseloher Brücke ihre "Turns" ziehen sehen.

Der Hot Spot der Münchner Riversurf-Enthusiasten liegt nach wie vor am Eisbach hinter dem Haus der Kunst. Dort türmt sich bei gutem Wasserstand eine "Wake", die gut einen Meter hoch ist und durchaus eine Trainingswelle fürs Brandungsreiten im Meer abgibt.

Ein Münchner Riversurfer, der regelmäßig in der stehenden Welle trainierte und sich auch als Brandungssurfer international einen Namen machte, ist z.B. Quirin Rohleder (Bild oben rechts). Kein Wunder, daß Quirin mit seiner Erfahrung an der Isarwelle auch keine schlechte Figur machte in einer der ersten künstlichen und kommerziell vermarkteten Wellen: in der mannshohen "Tube" der  Swatch-Wave-Tour 99...

River Surfing weltweit

Da die beiden Münchner Riversurf-spots immer auch von internationalen Zuschauern besucht waren, breitete sich das "Riversurf-Fieber" allmählich auch in die Nachbarländer und über Veröffentlichungen im Internet weltweit aus.

Der zunehmenden Freizeit-Trend zum Fun Sport und seinen zahlreichen Spielarten tat sein Übriges, so daß man sich bald auf internationaler Ebene auf die Suche nach Fluss-Wellen machte, die man surfen konnte, und sogar die die künstliche Erzeugung solcher Flusswellen in Angriff nahm.

Nach der Entdeckung der wilden Gebirgsflüsse für den Wassersport (Canyoning!) kam in den letzten Jahren eine neue Funsportart hinzu, die ähnlich wie das Boogie- oder Bellyboarding, eine Variante des Wellenreitens, durchaus auch eine Variante des Riversurfens genannt werden könnte, sobald mit Boogie-ähnlichen Brettern eine Wake oder stehende Flusswelle gesurft wird: das "River-Boarding" oder "Wave-Boarding".

Klicken Sie hier, wenn Sie mehr über das Riversurfen am Seil erfahren wollen.

Wie kam Arthur Pauli überhaupt auf die Idee des Riversurfing? Hier ist seine Story

2012 entstand dieser Kurzfilm über die Anfänge es Riversurfing und die Wellen in München: 40 Jahre Riversurfen in München


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